Wer nur lange genug sucht, findet zu fast allem eine Kulturgeschichte: Von der Kulturgeschichte der Schraube, bis hin zur Kulturgeschichte der Menschheit. Nicht zuletzt ist Kultur einer der Schlüsselbegriffe für die Geschichtswissenschaften in den letzten Jahrzehnten. So ist es denn auch nicht verwunderlich, dass der Kulturgeschichtetag 2012 bereits zum dritten Mal stattfindet – diesmal an der Uni Innsbruck. Die Veranstaltungsreihe versteht sich als Plattform für historische, kulturwissenschaftliche Forschung. Peter Becker – Begründer und Organisator des Kulturgeschichtetags – erklärt in dieser Episode, wie der Kulturgeschichtetag entstanden ist und was ZuhörerInnen vom 7.–9. Juni 2012 in Innsbruck erwartet.

LinklisteKulturgeschichtetag 2012, Twitter, Hashtag: #kgt12, Peter BeckerSocial Science History AssociationÖsterreichischer ZeitgeschichtetagInternational Society for Cultural HistoryKulturhauptstadt Linz 2009Programm des KGT 12Roundtable: Organisationsgeschichte als kulturgeschichtliche Perspektive, Keynote Lecture: Martin Schaffner


Tonight’s the Night: Während Dexter Morgan bis dato 117 Menschen getötet hat, Walter White zum größten Crystal Meth-Produzenten Amerikas aufgestiegen ist, Dr. House regelmäßig medizin-ethische Standards über Bord wirft und Jack Bauer Terroristen für die gute Sache foltert, stellt sich die Frage, warum es derzeit scheinbar zu einer Häufung ambivalenter Heldenfiguren kommt? Sebastian Armbrust ist Medienwissenschaftler und er erklärt in dieser Episode, was der Mythos von Superhelden und Westernhelden mit Ethik und Moral in gegenwärtigen US-amerikanischen-Fernsehserien zu tun hat.

Linkliste: Intro: Breaking Bad IntroSebastian ArmbrustDexter (Wikipedia), Dr. House (Wikipedia), 24 (Jack Bauer) (Wikipedia), Tagung Menschenbilder in der PopularkulturThe Sopranos (Wikipedia), NYPD Blue (Wikipedia), Breaking Bad (Wikipedia), Jason Mittell: Narrative Complexity, Frank Kelleter: Serien als Stresstest (FAZ), Lawrence/Jewett: The Myth of the American Superhero *Cawelti: The Six-Gun Mystique Sequel *


Wie gehen Gesellschaften mit Emotionen um? Wie werden Emotionen kommuniziert und zu welchen Wechselwirkungen zwischen Literatur und Kultur kommt es dabei jeweils? Der Literatur- und Medienwissenschaftler Gerhard Lüdeker von der Universität Bremen untersucht in seinem Forschungsprojekt “Gefühlte Wirklichkeit: Zur Kommunikation und Funktion von Emotionen in deutschen Romanen des 20. und 21. Jahrhunderts” den Zusammenhang von Emotionen und Literatur. Er erklärt in dieser SdK-Episode, inwiefern Literatur als kulturelle Praxis verstanden werden kann und warum es beachtenswert ist, dass ein Foto mit Hillary Clinton mit Hand vorm Mund für Aufregung sorgte.

Linkliste: Intro: Fanny van Dannen: Emotionen Pause machenGerhard Lüdeker: Gefühlte Wirklichkeit: Zur Kommunikation und Funktion von Emotionen in deutschen Romanen des 20. und 21. Jahrhunderts, Eva Illouz (Wikipedia), Neue Sachlichkeit (Wikipedia), Katharina Hacker: Die Habenichtse*, Christian Kracht: Faserland*, Helmut Lethen: Verhaltenslehren der Kälte: Lebensversuche zwischen den Kriegen*


In den 1980er Jahren entsteht in Texas mit der Mirrorshade-Group eine neue, subversive Form von Science-Fiction: die Cyberpunk-Literatur. Die Autoren verstehen Techniken als Werkzeuge der Welterschließung, die die Menschen immer stärker integrieren und dadurch ihre Wahrnehmung verändern. In den Romanen der Cyberpunk-Literaten verändern Techniken den Menschen in seinem innersten Wesen. Viele Begriffe, die die Cyberpunk-Autoren prägten – allen voran William Gibson – sind heute allgegenwärtig, wie Avatar, Cyberspace oder Virtual Reality. Die Medienwissenschaftlerin Jiré Gözen hat ihre Dissertation über Cyberpunk im transcript-Verlag veröffentlicht und gibt in dieser Episode einen Einblick in die Geschichte der Cyberpunk-Bewegung.

Linkliste: Intro: Billy Idol, Wasteland vom Album CyberpunkJiré Emine Gözen: Cyberpunk Science Fiction. Literarische Fiktionen und Medientheorie (ISBN 978-3-8376-1701-6), transcript-Verlag, William Gibson: Neuromancer (Wikipedia), Science-Fiction (Wikipedia), Jean Baudrillard (Wikipedia), SdK 18 über Marshall McLuhanPat Cadigan (Wikipedia), Rudy Rucker (Wikipedia), Bruce Sterling (Wikipedia), Greg Bear (Wikipedia), Tom Maddox (Wikipedia), Richard Kadrey (Wikipedia), Jack Womack (Wikipedia), George Alec Effinger (Wikipedia), William Gibson: The Difference Engine*, Jean-François Lyotard (Wikipedia), Douglas Kellner (Wikipedia), William Gibson: Fragments of a Hologram Rose, Jack Womack: Ambient (Wikipedia), Fight Club, Snatch, InceptionShintoismus


A deadline, one sentence left, too much coffee and a genius moment: That’s how Ben Hammersley invented the term “Podcasting” in 2004. The journalist and author explains in this episode what he thinks about the early days of podcasting, the conectivity of Twitter and podcasting and why podcasting – in a long term – increased the quality of radio.

LinklistBen HammersleyBen Hammersley (Wikipedia), RSS (Wikipedia), Article: Audible revolution, The Guardian (12.2.2004), Dave Winer (Wikipedia), Odeo (Wikipedia), Radiolab


Ist die Frauen- und Geschlechtergeschichte seit ihrer Institutionalisierung an den Universitäten diszipliniert und zahnlos geworden? Alexia Bumbaris, Jessica Richter und Veronika Helfert vom Forschungsnetzwerk fernetzt erklären in dieser Episode, warum Forschung auch widerständige Praxis ist und gerade der gesellschafts-kritische Anspruch der Frauen- und Geschlechtergeschichte wichtig ist, um auf gesellschaftliche Ungleichheitsmechanismen aufmerksam zu machen. Ausgangspunkt für das Gespräch ist die Tagung Un/diszipliniert? Methoden, Theorien und Positionen der Frauen- und Geschlechtergeschichte (27.2. bis 29.2.1012 in Wien).

Linkliste: Intro: Judith Butlerfernetzt. Junges Forschungsnetzwerk Frauen- und Geschlechtergeschichte, Tagung: „Un/diszipliniert? Methoden, Theorien und Positionen der Frauen- und Geschlechtergeschichte“, 27.2. bis 29.2.1012 in Wien, ProgrammAlexia Bumbaris, Veronika Helfert, Jessica RichterForschungsplattform Neuverortung der Frauen- und GeschlechtergeschichteGerda Lerner (Wikipedia), Barbara Duden (Wikipedia), Courage (Wikipedia), Sammlung FrauennachlässeDokumentation lebensgeschichtlicher Aufzeichnungen


Die Welt rund um das Radio hat sich in den letzten 20 Jahren massiv verändert: Das WWW ist zum Massenmedium geworden und es gibt nur wenige Lebensbereiche, in denen die Digitalisierung noch keine Rolle spielt. Eben, Digital Ist Besser. Und Radio? Sendet immer noch über UKW und die HörerInnenzahlen bleiben auch konstant. Albert Malli, Ö3-Vizechef, blickt zurück auf seine Anfänge beim Radio und erklärt, warum die Analogabschaltung und der Umstieg auf DAB+ für das Radio nicht funktioniert.

Linkliste: Intro: Albert Einstein über das Radio in seiner Eröffnungsrede zur Berliner Funkausstellung 1930, Albert Malli, Stv. Senderchef Ö3, Twitter, FacebookWalkman (Wikipedia), Donnerbrunnen (Wikipedia), ZickZack (Wikipedia), Martina RuppRevox A77 BandmaschineVideo killed the Radio StarAnalogabschaltung (Wikipedia), Digital Audio Broadcasting (DAB), DAB+ (Wikipedia), Visual Radio (Wikipedia), SES Astra (Wikipedia), Enhanced Podcast (Wikipedia), MPEG-2 (Wikipedia)


Das Medienformat Podcasting ist eigentlich noch recht jung, doch haben sich mittlerweile schon einige Fixpunkte zu seiner Geschichte etabliert: Seit 2002 gibt es dank Dave Winer die Möglichkeit, Audiodateien in RSS-Feeds zu referenzieren, was Adam Curry seit Sommer 2004 auch getan hat – mit dem Daily Source Code. Nachdem die Bezeichnung Audioblogging dem Format nicht wirklich gerecht wurde, schließlich sahen sich die ersten Podcaster eher dem Radio verpflichtet, musste erst noch das Wort Podcast erfunden werden – eine Mischung aus den Worten iPod und Broadcast. 2005 integrierte dann Apple mit iTunes 4.9 noch ein Podcastverzeichnis und schon ist die Geschichte erzählt, oder? Gerrit van Aaken gehört zu den frühen Protagonisten der deutschen Podcastszene und er gibt in dieser SdK-Episode einen Überblick über die Geschichte des Podcastings.
Die Folge über die Geschichte des Podcastings soll der Auftakt zu einer kleinen Serie über Geschichte(n) öffentlicher Kommunikation werden – der besondere Schwerpunkt liegt dabei auf der Geschichte des Radios und der Geschichte des Podcastings. Beide ähneln sich insofern – und darauf möchte ich im Laufe der Serie hinaus –, als sie interessante Beispiele für Medienaneignungen auf der Grundlage von Technik sind.

Linkliste: Intro: Daily Source Code Introduction (Wikipedia), Gerrit van Aaken: Blog, Twitter, ”Ich bin der Sender“, Diplomarbeit über das Podcast-CMS Loudblog, enthält auch viel zur Geschichte des Podcastings, Geschichte des Podcastings (Wikipedia), Adam Curry (Wikipedia), RSS (Wikipedia), Dave Winer (Wikipedia), iTunes (Wikipedia), Zündfunk GeneratorGEMA


Das sozialistische Jugoslawien jenseits von Nationalismus und Nostalgie beschreiben: Die Historikerin Natascha Vittorelli gibt in dieser SdK-Episode Auskunft über ihr Habilitationsprojekt, in dem es um jugoslawische Partisaninnen geht. Das Experiment in diesem Gespräch war es, nicht nur über das Forschungsthema zu sprechen, sondern verstärkt auf ihre Arbeitsweisen als Historikerin einzugehen. Das heißt, zum Beispiel nach Ablagesystemen oder Schreibtechniken zu fragen, aber auch nach ihrem Selbstverständnis als Historikerin.

Linkliste: Intro: Marš jugoslovenskih proletera (Youtube), Natascha Vittorelli, Monographie (veröffentlichte Dissertation) zur Geschichte der Frauenbewegung im südlichen Teil der Habsburger Monarchie – erschienen im Löcker-Verlag – zum GratisdownloadJugoslawien (Wikipedia), Zagreb (Wikipedia), Belgrad (Wikipedia), Johanna GehmacherUniversitätsbibliothek Wien (UB), Ö1


Die Gefahr lauert überall, denn: Jede menschliche Tätigkeit ist unfallbelastet – jedes Ding ist ein potentieller Gefahrenherd. Und so wird gerade in der Moderne die Zukunft häufig als kommende Katastrophe imaginiert: auf Kinoleinwänden, in der Literatur, aber ebenso in den Laboren der Szenariotechnik oder Statistikbüros von Versicherungen. Die Kulturwissenschaftlerin Eva Horn erklärt in dieser Folge, warum Untergangsszenarien einen besonderen Reiz auf uns ausüben und wie wir immer stärker versuchen, Zukunft abzusichern und zu prognostizieren.

Linkliste: Intro: Trailer zu Final DestinationEva Horn, Buch: Der geheime Krieg: Verrat, Spionage und moderne Fiktion*, Roland Emmerich (Wikipedia), Szenariotechnik (Wikipedia), Friedrich Theodor Vischer und die “Tücke des Objekts”: Auch Einer. Eine Reisebekanntschaft (Projekt Gutenberg), Technischer Überwachungs-Verein (TÜV) (Wikipedia), Katastrophenfilm von John Guillermin 1974: The Towering Inferno*, Filmreihe Final Destination*, Küchenunfall in Final Destination, Sigmund Freud: Das Unheimliche, Roman von Don DeLillo: White Noise*, Asbest (Wikipedia), Günther Anders (Wikipedia), Hans Jonas (Wikipedia), Roman von Cormac McCarthy: The Road*, siehe auch aktuelle Verfilmung*, Technikfolgenabschätzung (Wikipedia), Roman von Michael Crichton: State of Fear*


Publikationswege verändern sich nicht nur in der Musikindustrie: Mit der Open Access-Bewegung ist ein Paradigmenwechsel in der Wissenschaftskommunikation eingeläutet, mit dem Ziel, wissenschaftliche Literatur frei zur Verfügung zu stellen. Guido Blechl, Leiter der Arbeitsgruppe Open Access an der Uni Wien, erklärt in dieser SdK-Folge, wie Open Access – ob golden oder grün – die klassische Verlagsstruktur verändert und warum niemand der wissenschaftlich publiziert umhin kommt, sich mit Open Access zu beschäftigen.

Linkliste: Intro: Open Access: The Final Frontier, Guido Blechl: Website, @TwitterOpen Access-Arbeitsgruppe der Uni Wien, Gruppe Internetforschung an der Uni Wien, arXiv.orgBerliner Erklärung (Wikipedia), Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG), Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (FWF), Open-Access-Tage 2012 in Wien, SHERPA/RoMEOSCOAP3Phaidra (Repositorium der Uni Wien), Neelie Kroes (EU Digital Agenda)


Die Zukunft von der theologischen Determination freischaufeln: Während Zukunft in der jüdisch-christlichen Vorstellung wie eine Wand ist, die auf einen zukommt und nicht gestaltbar ist, wandelt sich im 17. Jahrhundert der Umgang mit der Zeit und gewinnt gerade die Zukunft neue Bedeutung. Der Historiker Achim Landwehr erklärt in dieser SdK-Folge, warum die Seiten der Kalender immer weißer wurden und warum Astrologie vielfach als eine Alternative zur völligen Gestaltbarkeit und Offenheit von Zukunft angesehen wurde.

Linkliste: Intro: Harald Lesch, Alpha CentauriAchim Landwehr, Wikipedia-Eintrag, Bücher: Geschichte des Sagbaren, Einführung in die Europäische KulturgeschichtePest (Wikipedia), Kalender (Wikipedia), Klaus-Dieter HerbstGretchenfrage (Wikipedia), Lucian HölscherPhilipp Melanchthon (Wikipedia), Lackmustest (Wikipedia)